Käfer K - Von scheiternden Mühen

Von scheiternden Mühen

Käfer K

Erschienen am 18. March 2011

Infos

Erstmalig 2010 durch die 4-Way-Split (LP 06383) mit PLANKE, JAN.TENNER und ALIA in Erscheinung getreten, sind KÄFER K in ihrer Szene keine Unbekannten mehr. PHILIPP NAUMANN (Schlagzeug), DAVID MUCHA (Gitarre, Gesang), JÜRGEN MARTIN LOTH (Gesang, Gitarre) und MICHAEL CLEMENS LOTH (Bass) konnten sich bereits durch zahlreiche Livekonzerte mit geistesverwandten Bands einen Namen machen. "Von Scheiternden Mühen" zeigt das Quartett mit 12 brandneuen Songs jetzt in Bestform. Klangtechnisch perfekt inszeniert, spielt die Band auf dem dynamischen, gitarrendominierten Feld zwischen Indierock, Emo und Punk / Post-Hardcore ihre Stärken aus. Dabei sind KÄFER K noch etwas mehr traditioneller Midnineties-Emo Ästhetik verpflichtet, setzten auf weiträumige Melodiebögen im Kontrast zum rauen Gesang, der die "Aus dem-Bauch, aber mit Verstand"-Texte transportiert. Ecken und Kanten setzt die Band gut in Szene und entzieht sich damit erfolgreich dem Mittelmaß. "Von Scheiternden Mühen" ist ein überraschend souveränes Debütalbum, das Fans von Bands wie CAPTAIN PLANET, MIKROKOSMOS23 oder ADOLAR begeistern wird. CD im wunderschön gestalteten vierteiligen Digipack. Indie-Tipp!

Rezensionen

D 11 Gelungenes, erstes Album der ambitionierten Combo aus Norddeutschland, ich ziehe meinen Hut! 12 großartige Emo-Punk Songs, die keine Berührungsängste mit Indie-Rock haben und sich damit irgendwo zwischen Matula, Adolar und Captain Planet einpendeln - dynamisch und gitarrendominiert. Dazu ein rauher, leicht näselnder Gesang, wie er besser nicht passen könnte, findet eine gewisse Verzweiflung so immer wieder ihren perfekten Ausdruck der "Aus-dem-Bauch, aber mit Verstand"-Texte. CD im wunderschön gestalteten vierteiligen Digipack, LP mit bedruckter 4c-Innenhülle. Tolle Platte! * Lala Schallplatten. by flight 13
Ich wusste immer nie so recht, ob man diese Schublade mit der Beschriftung Emo-Punk überhaupt braucht, denn Punk an sich, egal welche Unterkategorie, steckt ja in der Regel immer voller Emotionen, aber egal. Das was KÄFER K hier fabrizieren ist Herbst. Die Blätter fallen mal sanft von den Bäumen oder werden von stürmischen Winden getragen, das Herz wärmt sich hinter zugezogenen Vorhängen an einem Hauch von Melancholie, die traurige, depressive und schwermütige Stimmung erzählt die Geschichten von scheiternden Mühen. KÄFER K sind gewiss keine gewöhnliche Punkband und genau das zeichnet sie aus. Sie erzählen Geschichten aus diversen Stimmungslagen, die nicht immer und vielleicht auch nicht für alle nachvollziehbar sind, die aber trotzdem tief unter die Haut gehen. Es scheint, als wäre Musik hier nicht Hörvergnügen, sondern viel mehr ein Gefühl, dass die Musik als Transportmittel nutzt. Deshalb laden KÄFER K auch nicht zum Mitsingen ein, sondern mehr zum mitfühlen, zum nachvollziehen. Und dabei muss man sich natürlich anstrengen, denn sonst kann´s anstrengend werden, Herz öffnen, Kopf einschalten. Eine Affinität mit z.B. dem letzten TAGTRAUM Album ist durchaus vorhanden, ein wenig TURBOSTAAT und ganz viel BOXHAMSTERS hört man auch heraus. Und wer diese Musikgruppen zu seinem Favoritenkreis zählt, der sollte dann auch mit KÄFER K prächtig zurechtkommen, denn diese Band ist alles andere als einfach gestrickt. Steff uglypunk
Von scheiternden Mühen singen Käfer K auf ihrem Debüt. Die Thematik entspricht zum Glück nicht der Brillanz des Albums. Nach der vielversprechenden und ziemlich rau produzierten Demo-CD Weg von mehr und diversen Splits behält das Quartett aus Münster seinen unverkennbaren Stil natürlich auch auf dem ersten Studioalbum bei. Von scheiternden Mühen erscheint auf dem fleißigen und immer mehr sympathischen Indie-Label Lala Schallplatten, bei dem die Band nun wohl das Zugpferd ist. Käfer K sind in Zeiten, in denen Emo-Punk so trendig wie noch nie ist, vielleicht eine von wenigen Bands, die der Inbegriff dieses Genres sind. Genau so muss das klingen. Dafür sorgt nicht zuletzt Sänger Jürgen. Mit dem Herz auf der Zunge schreit er, als hätte er sich „Hass“ auf die Lippen tätowiert. So auch bei Mauern, durch welche das Album stark in der typischen Käfer-K-Art eröffnet wird. Gitarren und Stimme arbeiten Hand in Hand, beide unglaublich packend. Wenn die Stimme bei Zwei Viertel einsetzt ist das wohl der beste Moment des Albums. Unerwartet überkommt einen die mächtige Flutwelle voller Gefühl. Eben DAS ist doch Emo-Punk. Zwei Viertel ist das Lied zum Rausschreien von Frust und sämtlichen anderen Dingen. Beachtenswert ist, wie extrem gut Käfer K allein schon vom Instrumentalen her die Grundstimmung ihrer Nische rüberbringen. Kann das außer Captain Planet noch jemand auch nur ähnlich gut? Fabius und Kakao für Stulle sind die Highlights auf der zweiten Albumhälfte. Zum Glück machen Käfer K keine großen Experimente, sondern bleiben bei dem, was sie verkörpern. So könnte Von scheiternden Mühen ein Referenzalbum des neuen deutschen Punktrends werden. Das Zeug dazu hat es alle Male. Ein wunderbar(es und) authentisches Debütalbum. alternativmusik.de
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Käfer K in- und auswendig kenne. Was ich weiß, ist dass sie aus dem hohen hohen Norden Deutschlands, genauer gesagt aus dem Emsland kommen und wohl mittlerweile nach Münster umgesiedelt sind. Ich weiß auch, dass sie letztes Jahr auf dem Locked Groove-Sampler vertreten waren und mit ihren Landsleuten von Alia, Planke und Jan Tenner ein nettes Split-Album auf Lala Schallplatten rausbrachten. Und ich weiß, dass mir ihr Song „Drachen steigen gehen“ länger hängengeblieben ist. Nun sind die Herrschaften mit elf neuen Stücken am Start. „Von Scheiterden Mühen“ heißt das Debütalbum, das in 3 Tagen auf Lala erscheint. Natürlich sind auch Käfer K irgendwie von Kapellen wie Mikrokosmos23, Turbostaat oder Matula beeinflusst. Sprich, sie spielen emotionalen Punkrock mit deutschen Texten. Allerdings schaffen sie es während dieser 35 Minuten durchaus sich ein eigenes Gesicht zu verschaffen. Wo Mikrokosmos23 schon sehr in Richtung modernem Indie schielen und die neulich besprochenen Jimmy Kafka sich mehr auf treibenden Punkrock berufen, da versteht man sich bei Käfer K eher als schroffe, traditionelle Emo-Band. Sicher sind die Gitarren auch dezent von Post-Punk beeinflusst, die verträumten, melancholischen Melodien, die die Gitarristen die meiste Zeit raushauen, lassen aber eher an Mid9oies-Emo und Bands der Marke Still Life, Mineral oder Sunny Day Real Estate denken. So richtig hart oder gar uptempo werden Käfer K auf dem Album zwar nie, Ecken und Kanten haben sie sich aber zu Hauf bewahrt. Eine Portion Arschtrittfaktor bekommen Käfer K auch durch ihren Sänger verliehen. Wenn man diesen durch einen flüsternden, einschmeichelnd singenden Süßholzraspler ersetzen würde, könnte man die Band noch stärker mit erwähnten Emo-Combos vergleichen. Doch sein energetischer, halb geschriehener, halb gesprochener und leicht schiefer Gesang gibt der Platte nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern auch einen schönen Kontrast zur größtenteils relaxten Musik. Selbst wenn der Gute keine gesanglichen Höchstleistungen vollbringt, füllt er die Texte mit viel Herz und Leidenschaft aus. Das passt schon so, würd ich sagen. Wenn man über die Songs spricht, muss man die neuen Stücke natürlich an der Markanz eines „Drachen steigen gehen“ messen. Und tatsächlich haben zwei, drei Songs das Potenzial dazu, sich lange in den Gehörgängen einzunisten. „Ich, Fuchur“ ist beispielsweise so ein Stück im Stile des erwähnten Songs, der es genauso gut versteht dieses sehnsüchtige Gefühl zu erzeugen und einem die dabei die passenden, simplen Worte vorwirft. „Ich zeig dir wie man fliegt!“ ruft der Sänger, unterlegt von einem fast schon epischen Melodiebogen. Das ist einfach… und einfach ergreifend. Noch mitreißender ist höchstens „Fabius“, bei dem Käfer K nicht nur eine tolle Atmosphäre in den Strophen erzeugen, sondern es auch verstehen, im Refrain einen draufzulegen. Großartig ist auch, wie der Song zum Schluss hin an Intensität hinzugewinnt. Hier zeigen die Kieler, dass sie die Kunst des Songwritings raushaben. Die Anfangsattacke aus „Mauern“ und „Brunnen“ ist ähnlich gut gelungen. Der Rest kommt zwar nicht an diese Hitverdächtigkeit ran, überzeugt aber ebenfalls. Selbst die beiden kurzen instrumentalen Ausflügen fügen sich ordentlich ein. Bekanntlich finde ich ja, dass die Nische, in der sich Käfer K befinden, sich die letzten Jahr etwas abgenutzt hat. Es gibt einfach zu viele Bands, die zu ähnlich klingen. Dem zu Trotz gefällt mir „Von Scheiternden Mühen“ ausgesprochen gut. Die Verbindung aus sensibler Emo-Melodik, kraftvoll-rotzigem Gesang und glaubwürdigen „aus dem Bauch heraus“-Texten funktioniert bestens. Gute Platte, weiter so! 7/10 borderlinefuckup
Hach. Was habe ich die Jungs gern. Schon seit ihrer Demo “Weg Vom Meehr” sind sie mir mit ihrem sympathischen Deutschküstenpunk ans Herz gewachsen wie kaum eine andere Band. Denn nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich sind sie sehr vielverprechend. Dementsprechend habe ich mich so sehr auf die LP gefreut, über die ich hier jetzt schreibe. Doch was hat sich verändert in der Zeit von der Demo zur LP? Eigentlich muss ich sagen: “Super viel ist das nicht.” Finde ich das gut? Ja, sehr sogar. Natürlich ist der Sound besser. Von der Scheune in das Soundstudio ist ja auch ein Riesensprung. Songwriting ist feiner geworden, aber man lernt ja auch dazu, wenn man die Nase aus dem Fischerdorf steckt. Ein bisschen sanfter sind sie geworden, aber man wird ja auch älter. Unterm Strich bleiben die Käfer eines: Einfach saugut. Vom Herz in den Mund; Aus dem Kopf aufs Papier. Mit “Von Scheiternden Mühen” setzen die Küstenboys sich einen von hoffentlich vielen Meilensteinen den ich noch mitverfolgen darf. Und wenn Opi noch leben würde hätte er gesagt:”Jawohl, das ist ein klarer Käfer.” Für mich eine der wenigen Bands mit klarem Wiederkennungswert die sich in ähnlichen Gefilden bewegen. Bitte bleibt so Käfer. An alle anderen, kauft euch das Ding einfach. Ich kenn bis jetzt noch keinen dem die Scheibe nicht gefällt. J. lockedgroove.de
Jeder Innenraum hat seinen eigenen Geruch - das Haus der Großeltern, die Wohnung der Freunde und sogar die Seminarräume der Uni. Nur in einem einzigen Gebäude riecht es nach nichts: zu Hause. Dort ist alles so normal und selbstverständlich. Die heimatliche Wohnung ist der Nullpunkt. Hier herrscht keine Reizüberflutung. Die Sinne können sich ausruhen von der Flut, die überall sonst auf sie einströmt. Aber irgendwann, wenn man längere Zeit fort war und dann zurück kehrt, schnüffelt man ungläubig, wenn man über die Schwelle tritt. Plötzlich ist nicht mehr alles normal in diesen Wänden. Plötzlich hat auch das Zuhause einen Geruch. Diese Erfahrung schildern Käfer K aus Münster auf ihrem Debütalbum 'Von Scheiternden Mühlen'. Indem sie erkennen, dass es zu Hause tatsächlich nach etwas riecht, schärfen sie auch ihren Blick auf diese Räumlichkeiten: 'Die Sitzecke, ein Schluck warmer Tee. Mantel am Haken, Gebete auf Holz. Zu alte Geschichten.' ('Brunnen') Die alltäglichen Gegenstände warnen sie davor, stecken zu bleiben und bis zur Erschöpfung ewig immer nur das Gleiche zu tun: 'Und der Lehnstuhl flüstert: Der Krug, mien Jung, geht so lang zum Brunnen, bis er bricht.' ('Brunnen') Um sich dann den Ruck zur Feststellung 'Ich geh nie wieder heim!' ('Bau Dir Ein Haus') durchzuringen, braucht es jemanden, der mit anpackt, um die Erinnerungen auf den Müll zu bringen: 'So wie ich das seh, ist das der Kram aus Deinem Keller und wenn Du magst, trag ich ihn für Dich raus.' Den Aufbruch symbolisiert das wunderschöne Artwork des Albums. Es zeigt das Reisetagebuch voller kleiner Souvenirs vom Wegesrand wie getrocknete Blätter oder auch einen toten Schmetterling. Zu verstehen, was der sprechende Lehnstuhl eigentlich meint, ist gar nicht so einfach. Man ist ja viel zu perplex, dass plötzlich Haushaltsgegenstände das Wort ergreifen: 'Das erste Wort, der erste Satz. Du verstehst nicht alles - und um ehrlich zu sein: nicht eine Silbe, nein, kein Wort.' ('Mauern') Nicht ganz so drastisch, aber schon ein wenig ähnlich mag der Eindruck der Zuhörer sein, wenn Sänger David Mucha diese Worte ganz zu Anfang des Albums singt. Denn auch die Worte aus seinem Mund kann man oft nicht sofort problemlos identifizieren. Das Kicksen in seiner Stimme verschlüsselt manche Silben. Seine Stimmlage bewegt sich mit einer gewissen Helligkeit im Gebiet von Matula. Statt wie deren Sänger Tobbe zu sprechen, ruft David Mucha die meisten Wörter eher. Die Passagen, die er dazwischen nicht schreit, klingen im Vergleich zu selbigen bei Captain Planet weniger gesungen. Eine weitere Ähnlichkeit zu Matula bilden die Gitarreneffekte, die Käfer K auch unverzerrt und klar halten. Deswegen machen sie in den beiden Instrumentalstücken 'I' und 'II' von der Möglichkeit Gebrauch, in der Gitarrenbegleitung ihrer Stücke ruhig statt Akkorden hin und wieder feine Melodien aus gezupften Tönen einzusetzen, ohne dass diese bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Während es bei Tocotronic 1995 noch hieß 'Michael Ende, Du Hast Mein Leben Zerstört', widmen Käfer K heute dem Glücksdrachen Fuchur aus der 'Unendlichen Geschichte' ein Stück. Er hilft dem hilflosen Menschen, sich Raum zu verschaffen, indem man einfach wegfliegt. Und noch eine weitere Märchengestalt taucht auf: Fabius aus 'Arielle, die Meerjungfrau': 'Ich stopf Dir Deine Socken, ich bind Dir Deine Schuhe und besohl sie wieder neu. Ich kümmer mich um Fabius, Deinen Lieblingsdoktorfisch. Doch laufen musst Du selbst.' ('Fabius') Er steht hier also für das Liebgewonnene, von dem man notgedrungen Abschied nehmen und das man in der Heimat zurücklassen muss, wenn man aufbrechen und wegfliegen will. Das beste Stück des ganzen Albums haben sich Käfer K bis ganz zum Schluss aufgespart. Die lyrische Finesse, die in den vorigen Songs schon deutlich hervorblitzt, tragen sie hier jetzt auch ideal vor. In den vorigen Songs jedoch neigt der Gesang manchmal dazu, das grundsätzlich tolle Rufen zu übertreiben und hier und da eine eigentlich tolle Passage zu überrennen. 'Kakao Für Stulle' heißt der letzte Song und erzählt mit kreativer Wortwahl von der Unermüdlichkeit, die man an den Tag legen muss, wenn man sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat - und sei es nur, einen Süßigkeitenautomaten zu überlisten. 'Okay, der Knopf passt dann wohl nicht in die Münzeingabe des Kaugummiautomaten da vorn. Ja, dann versuchen wir es zwei Straßen weiter. An meinem Hemd sind genug Knöpfe für die ganze Stadt.' Vielleicht stoßen Käfer K bei ihrer Suche nach dem passenden Kaugummiautomaten dann irgendwann auf einen Ort, an dem es plötzlich wieder verlockend nach gar nichts riecht. Aber sie werden sich nicht niederlassen können - sie müssen weitersuchen. Der Lehnstuhl wird sie schon zu vertreiben wissen. whiskey-soda.de

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