PAAN - Endlich sind alle Tiere tot

endlich sind alle Tiere tot

PAAN

Erschienen am 1. March 2010

Infos

Screamo? Progressive? Schreiben wir’s so: hochenergetischer Schreigesang als Stilmittel, definitiv emotional und progressiv. Komplexe vertrackte Rhythmen und gelungene Taktwechsel. Einfallsreiche Songs mit einem präzisem Schlagwerk und melodischen Gitarren. „Song 13 / Gummilaken“ erinnert mich im ersten Teil an den Meister der Disharmonien Captain Beefheart. Neu eingespielt wurde „Song 11 / Casper“, der bereits vorab auf dem Sampler „salad bowl – DIALOG“ erschien und der Hit (darf man eigentlich bei Nischenmusik nicht schreiben!) der Scheibe ist. Die Band produzierte in ihrem eigenen Studio „MAGNUS B“, was man an der genutzten musikalischen Freiheit mit diversen Klangpassagen (Song 3 und 7) und an dem Gesprächs-Song „Song 18 / Letzteration“ deutlich positiv hervorheben muss. Welcher Produzent würde dies zulassen? Andererseits, wie oft kann man sich „Song 18“ anhören? „Song 19 / Tony Clifton“ bleibt für mich der spielerischste Track und ein gelungener Abschluss/Ausklang des Albums. Deutsche Texte, die man in einigen Songs nur in Fragmenten verstehen kann. Die aber in genau diesem Detail – wie im Albumtitel - die Bilder und Assoziationen im Kopf erzeugen, die die Musik noch spannender machen. Französisch geschriene Sätze tun ihr übriges und passen, wie die Faust auf’s Auge, denn die Musik könnte auch aus Frankreich kommen. Texte, die Jugendliche mit Ost-Sozialisation genauso ansprechen, wie Jungs und Mädels, die sich Kompass-mässig nie verorten würden. Ja, anspruchvolle Texte sind bei PAAN Standard, obwohl Deutschlands Kultur sich auf einem sinnentleerten und blutigem absteigenden Ast befindet. Die CD-Verpackung bekommt einen Extra-Absatz. Das muss sein, denn es ist erst die Nummer vier, die sich in meiner Sammlung befindet, die selbst genäht wurde. Da hätten wir einmal Free-Jazz von STEINER, einmal experimentelle Musik von UMARADUM, dann die altmärkischen Progressive-Rocker ELIS und nun PAAN. Schön in Weinrot gehalten mit einem handgemaltem oder gestempelten Aufdruck. Die Texte kann man in einen sechsseitigen Booklet nachlesen, welche auf einem professionellen Layout präsentiert werden. Wer Hausnummern und noch mehr Schubladen braucht, kommt mit Math-Rock, Amber Daybreak, Amanda Woodward und At The Drive In weiter.

Rezensionen

Nanu, diese Platte macht doch nicht etwa gut Freund mit Pelikan-verklebenden Ölteppichen oder Bärenfell-versengenden Feuersbrünsten? Nun, aus den Texten ist derartig kalt Herz nicht abzulesen, eher eine kleine Schwäche für in Lyrik gegossenen Zynismus. Diesen begleiten Paan mit angry Indie-Rock oder auch keckem Post-Hardcore, ganz wie man's nimmt. Bands wie Escapado liefern den vier aus Sachsen-Anhalt jedenfalls die Vorlage, wobei hier bloßes Abpausen verpönt ist. Versiert zeichnen Paan eigene Kringeleien aufs Papier, die durch Vielschichtigkeit bestechen und trotz all dem Willen zur bedeutungsschwangeren Rede Mut zum Humor aufblitzen lassen. Auch wenn diese Platte zum Ende an Kraft verliert: Mit dem Artensterben hat sie nun wirklich nichts zu tun. 7 Kronleuchter Heimat: myspace.com/paanmusik Text: Roy Fabian und Maik Werther

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