Willy Fog - Knabberschmaus morgen
Knabberschmaus morgen
Willy Fog
Erschienen am 16. August 2010
Infos
Der Löwe Willy Fog reist aufgrund einer Wette in 80 Tagen um die Welt. Schnell muss es gehen. Genau wie sein menschliches Pendant Phileas Fogg. Die Band Willy Fog aus Bergkamen/Unna hat sich vom Löwen nicht nur den Namen geschnappt. Sein Tempo haben sie auch gleich mitgenommen. Im September letzten Jahres gegründet, hat die Band bisher bereits gut 25 Konzerte gespielt. Die fünf jungen Männer teilten sich u.a. mit Szenegrößen wie Antitainment, Captain Planet oder Matula die Bühne. Nach einer ersten Demo EP Anfang des Jahres kommt mit Knabberschmaus Morgen nun die nächste Scheibe der jungen Band.
Die neue EP enthält fünf Stücke, allesamt Punkrock – mal mit Herz, mal mit Faust. Der Opener Barfuss beginnt zaghaft und eingängig. Es lässt sich noch nicht vermuten, was für ein wahnsinnig guter Song folgt. Wenn Gesang und Instrumente einsetzen und es lauter wird, dann wird Barfuss ein Hit. Die Stimme ist so überzeugend wie bei keinem anderen Lied; die Gitarren durchweg unglaublich stark. Es geht um Freiheit und darum, dass sie fehlt. „Mein Leben besteht aus einem Weg, der geflastert ist von Schranken und Stopschildern. … Doch ich werde mich dem nicht beugen, nicht dieses Mal.“ Wenn ein Lied es schafft, seine Stimmung auf den Hörer zu übertragen, spricht dies für sich. Barfuss ist eine Kampfansage an das Leben. Egal welche Steine da im Weg liegen, es geht immer weiter. Daran lässt sich nicht zweifeln, dazu ist der Song zu überzeugend. „Mit Augen zu gegen die ganze Welt.“ Die wunderbar naive Kernzeile wird wiederholt, im Chor gesungen und geschrien, bevor es in das Finale geht. Mit dessen Energie kann man eine Stadt beleuchten.
Laterne, Laterne ist deutlich härter. Am Ende wird voller Inbrunst „Eskalation, Eskalation!“ geschrien. Nicht jeder hier kann so schnell laufen kann mit der tollen Textzeile „Was nützt es über den Berg zu sein, wenn es drüben wieder runter geht.“ aufwarten. Der Igel wohnt jetzt hier besitzt Ohrwurmpotential. Die drei Lieder waren bereits auf der ersten Demo-EP von Willy Fog zu hören. Es ist ein Unterschied zwischen ihnen und Barfuss sowie dem fünften Song von Knabberschmaus Morgen, der den Titel Arthur Auwers, Liebesmörder trägt, hörbar. Die älteren Lieder sind gut, aber die neuen eindeutig besser.
Arthur Auwers, Liebesmörder ist zum Abschluss noch mal ein Highlight. Das ist dann wohl Emopunk. Fans von Captain Planet oder den Düsenjägern hergehört. Wieder greifen Willy Fog auf ihr bewährtes Mittel zurück und setzen prägnante Textzeilen an das Ende. „Welcher Idiot hat eigentlich gesagt, dass alles gut wird?“ Wie gut ist das denn bitte! „Man verliert etwas am schnellsten, wenn man es am meisten braucht.“ Es artet in Geschrei aus und Knabberschmaus Morgen endet im Chaos der Stimmen. Angesichts dessen, dass die Band noch nicht mal ein Jahr besteht, liefern Willy Fog eine beachtliche EP ab. Freunde von deutschen Emopunk mit Indie-Einflüssen sollten reinhören.
text: martin zenge alternativmusik.de