Mr. Linus – Aporie

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Yannick, Rebecca und Anna malen sich die Welt, wie sie uns nicht gefällt. Widersprüchlich und kontrastreich, sperrig und offen. Im Kanton dieser nonchalanten Spielart obliegt ein Gespür für detailreiche Ausschmückungen, die zweistimmig und mit Nachdruck und Feedback verstärkt werden. Reflexion und Widersprüche als Handlungsknoten. APORIE als Konstrukt für wunderschöne Indie-Musik zum Tagträumen bei „Norden“, aber erst, nachdem Debatten und tiefe dialektische Übungen begonnen haben. Ein Schritt nach vorne, zwei Schritte zurück. Zweifel wecken und für Unklarheit sorgen. Wollen und Wille zwischen der Zweideutigkeit der Gedanken-Welt, in der scharf akzentuierte Monologe und rhetorische Anklage die Widersprüchlichkeiten des Lebens und ihren komplizierten Überlegungen, die gleichzeitig sowohl einen Sinn als auch keinen haben, erreichen. Alles oder nichts. Alle Menschen sind frei. Gleichzeitig sind wir jedoch Opfer tausender Umstände und unendlicher Mechanismen, die uns formen und standardisieren. Im Sog der Mr. Linus‘ Denkweise über die Abfolge von Ruhezuständen und Debattenkultur hineinversetzt, sind wir am Ende alle mit dem Gefühl von Aporie vertraut, obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen. Oder doch? 3 tolle Songs mit Indie-Punk und Post-Heartcore im Spannungsfeld multipler Aporien. Nur so kann mensch den Dialog und die Reflexion fördern und in der WG-Küche je nach Position gemeinsam einen leckeren Kaffee trinken oder ein, zwei Gläser Rotwein.

Text von Fred – Rezension im Underdog Fanzine